Hey, DM! Was ist eigentlich... Ein Pen&Paper-Rollenspiel?

Hey, DM! Was ist eigentlich... Ein Pen&Paper-Rollenspiel?

Ihr steht auf dem Dach des findesteren Turms von Mordred, dem untoten Magus, dessen finstere Machenschaften die umliegenden Lande und damit euer Zuhause in die Verdammnis gestürzt haben. Jetzt steht er auf der anderen Seite des Plateaus und lacht wahnsinnig, während arkane Energien seinen welken Körper durchzucken. Ihr habt unzählige Schlachten geschlagen, um die Artefakte zu sammeln, die ihr benötigt, um ihn endlich zur Hölle zu schicken. Ihr seid von Fremden zu Verbündeten und von Verbündeten zu Freunden geworden, die sich blind vertrauen. Ihr habt zusammen gekämpft, gefeiert, gelacht und getrauert und euch wird jetzt erst bewusst, wie weit ihr gekommen seid. Alles, was ihr in den letzten Monaten getan habt, läuft auf diesen einen Moment heraus. Der Kleriker eurer Runde schickt noch ein letztes Stoßgebet in den von Sturmwolken und Blitzen verhangenen Himmel. Ob ihn jemand hören wird? Fragwürdig. Ihr greift das Heft eurer Waffe so fest, dass eure Hände fast schmerzen. Es beginnt, in dicken Tropfen zu regnen. Und dann lauft ihr zum Angriff...


Hey, da draußen! Ich bin der Jan und ich spiele seit über 20 Jahren regelmäßig Pen&Paper-Rollenspiele, viel davon als Spielleiter. Falls euch das alles noch kein Begriff ist, kein Problem! Dieser Artikel ist der Start einer Serie, in der wir vom Utopia Lüdenscheid euch eine Einführung in dieses wundervolle Hobby geben wollen, mit allem was dazu gehört. Vielleicht schaffe ich es ja, ein paar bekannte Aspekte für euch in ein neues Licht zu rücken oder es gibt Sachen, über die ihr so noch nie nachgedacht habt. Falls ja, meldet euch auf jeden Fall gerne in den Kommentaren. Wir freuen uns über jeden Dialog mit euch!


Pen&Paper-Rollenspiele sind Rollenspiele, die man mit Freunden am Tisch spielt. Inzwischen gibt es auch diverse Tools für Online-Spiel, aber dazu später mehr. Im Grunde erzählt man sich gegenseitig eine interaktive, beeinflussbare Geschichte, fechtet Kämpfe aus und erlebt gemeinsam Abenteuer. Dabei gibt es normalerweise ein festes Regelwerk, wo zwischen Spieler und der Spielleitung unterschieden wird. Ein Spielleiter ist unter mehreren Synonymen bekannt: SL, Meister, Dungeon Master oder auch DM. Daher übrigens auch der Titel dieser Serie. 


Aber wie fängt man das alles eigentlich an? Easy! Es gibt da draußen jede Menge unterschiedliche Regelwerke, die alle etwas unterschiedliches darstellen. Jedes Regelsystem hat in der Regel ein Grundregelwerk, aber darüber hinaus nochmal viele Addons in Form Erweiterungsbüchern. Dort findet man in der Regel neue Klassen, Zauber, magische Gegenstände und vieles mehr. Ihr wolltet schon immer mal wissen, wie es ist, wenn man ein Vampir ist? Dann kann ich euch Vampire – The Masquerade ans Herz legen! Ihr habt schon einmal das Videospiel »Cyberpunk 2077« gespielt und wollt mehr davon? Zufällig basiert genau dieses Spiel auf einem gleichnamigen Pen&Paper-Rollenspiel, das seit über zwanzig Jahren existiert. Das mit großem Abstand bekannteste Regelwerk – Dungeons & Dragons – dürfte vielen von euch durch Videospiele wie »Baldur's Gate 3« bekannt vorkommen, das eine erstaunlich gute Umsetzung des Regelwerks darstellt. Unbedingte Empfehlung an der Stelle!

 

Bild: Ein Artwork aus dem Dungeons & Dragons-Abenteuerband "Candlekeep Mysteries"

 

Alles klar, ihr habt eure Freunde um euch geschart und euch für ein Spielsystem entschieden. Nice! Vielleicht habt ihr auch schon im Grundregelwerk gestöbert oder euch gar eines der besagten Ergänzungsbücher zugelegt. Aber.... Was jetzt? Vor einem neuen Spiel denken die Spieler sich dabei ihren eigenen, festen Charakter anhand des Regelwerks aus, verteilen Attributs- und Talentpunkte und wählen Fähigkeiten aus. Der DM übernimmt dagegen quasi alles andere. Als Spielleitung denkt er oder sie sich den Rahmen der Geschichte aus, schlüpft in Dialogen in die Rolle aller anderen Charaktere und überlegt sich Dungeons, Rätsel und das Balancing von Kämpfen. Klingt nach viel? Ist es erstmal auch, weshalb viele davon erstmal abgeschreckt sind. Wenn es aber erst einmal angefangen hat, alles klickt und man als DM sieht, was die anderen mit der Welt machen, die man ihnen präsentiert, ist das jedes mal ein total schöner Moment. 


An diesem Punkt möchte ich euch einen gut gemeinten Rat geben: Fangt klein an und verzettelt euch nicht. Manche werden jetzt den Impuls verspüren, ein riesiges Setting mit aufeinanderfolgenden Abenteuern schreiben zu wollen oder einen ersten Charakter mit dreißig Seiten Hintergrundstory. Ich weiß das, weil ich selbst früher gerne mal in diese Kategorie gefallen bin. Inzwischen bin ich im Leben aber ein absoluter Fan davon, wenn etwas einfaches gemacht wird, aber dafür WIRKLICH gut. Wie wäre es denn mit einer kleinen Ruine, aus der ein Schatz geborgen werden soll, aber vielleicht mit zwei bis drei Kämpfen und einem kleinen Twist, der es spannend macht? Bevor man 30 Seiten Hintergrund für seinen Charakter schreibt, die niemals jemand lesen wird, warum nicht mit dem DM zusammen zwei bis vier der wichtigsten Stationen im Leben des Charakters klären, die dann aufgegriffen werden können? Im Zweifelsfalle ist die beste Geschichte immer die, die ihr live zusammen beim Spiel schreibt.


Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig gute Kommunikation dabei ist. Ich glaube, mir hat kein Seminar im Leben so viel über menschliches Miteinander, Konfliktlösung und Kooperation beigebracht, wie mein Hobby als Meister für Pen&Paper-Runden. Tatsächlich war das auch der Anstoß für mich, diesen kleinen Guide schreiben zu wollen. Es gibt eine Unmenge von Horrorstories auf YouTube und Reddit, wo Leute von ihren furchtbaren oder haarsträubenden Erfahrungen berichten. Dabei ist mir aufgefallen, wie viele dieser Probleme sich dabei vor allem auf eins zurückführen lassen: Es wird nicht vernünftig miteinander gesprochen und Erwartungen, Vorlieben und Abneigungen werden nicht von vornherein konkret abgesteckt. Deshalb behandeln wir im nächsten Teil dieser Serie einen weiteren wichtigen Aspekt: Die Session Zero oder das Treffen, bevor wirklich gespielt wird. 

 

Stay tuned und bis zum nächsten Mal!

 

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